www.kirche-im-swr.de

SWR4 Abendgedanken

Sendetext von Freitag, 30. Juli 2010

Autor: Hans-Martin Steffe, Linkenheim, Evangelische Kirche


Mit Kindern leben

Da sein und loslassen, beides ist für die Erziehung von Kindern wichtig. „Als ich dich gebraucht hatte, da warst du da. Aber als ich eigene Wege gehen wollte, da hast du mich ziehen lassen." Wenn Kinder das zu Eltern sagen können, ist das ein großes Glück.
Jesus hat einmal eine Geschichte erzählt, die zu den schönsten gehört, die ich kenne.
Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte zum Vater: „Gib mir mein Erbteil. Ich will mein eigenes Leben leben." Und der Vater gab ihm sein Erbe. Der junge Mann zog mit dem Geld auf und davon in ein fremdes Land. In kürzester Zeit war das Geld alle. Und dann hatte er auch noch ungeheures Pech. Es kamen schlechte Zeiten. Nach einiger Zeit hatte der junge Mann nichts mehr zu essen. Den niedrigsten Job übernahm er. Er hütete Schweine. Dabei bekam er nicht einmal das zu essen, was die Schweine fraßen. Er wäre fast umgekommen. Aber da kam ihm sein Vater in den Sinn. Der konnte ihn zwar nicht mehr als Sohn aufnehmen, dachte er. Diese Verbindung hatte er ja selbst gekappt. Aber er erinnerte sich, dass bei seinem Vater selbst die einfachsten Arbeiter immer Brot im Überfluss zu essen bekamen. Er entschloss sich zu seinem Vater zurück zu gehen ohne jeden Anspruch nochmals Sohn zu sein. Dieses Recht hatte er ja verspielt. Davon war er überzeugt.
Als er noch weit von seinem Elternhaus entfernt war, sah ihn sein Vater kommen, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn kam nicht dazu alles zu sagen, was er sich vorgenommen hatte. Der Vater ließ ihn nicht ausreden. Er ließ ihn sich waschen und prächtig einkleiden und machte ein Fest für ihn.
Jesus hat die Geschichte Menschen erzählt, die fanden, dass er sich zu sehr um solche Menschen kümmerte, die es doch gar nicht wert sind. Die Gott und den Nächsten vergessen hatten und selbstsüchtig waren. Jesus hat versucht, sie für eine andere Sicht zu gewinnen. Deshalb hat er die Geschichte vom Vater und seinen beiden Söhnen erzählt. Der ältere Sohn übrigens, der zu Hause geblieben war und immer geschafft hatte, der war sauer auf seinen Vater. So erzieht man doch nicht Kinder. Wie kannst du mit dem, der dein Erbe verschwendet hat, so großzügig umgehen. Er war eifersüchtig. Bei diesen Sohn versuchte der Vater Verständnis zu wecke für sein Handeln. Ob der es wohl begriffen hat? Ein guter Vater lässt den Sohn ziehen, wenn der das will. Aber wenn er ihn braucht, ist er bedingungslos für ihn da.
So ist Gott, hat Jesus erzählt. Und darin zeigt sich das Geheimnis der Erziehung: da sein, wenn du gebraucht wirst, und los lassen, wenn es gewünscht wird.