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SWR3 Gedanken

Sendetext von Freitag, 30. Juli 2010

Autor: Ilka Sobottke, Mannheim, Evangelische Kirche


Ringelblumen und Kapuzinerkresse

Iiiih das kann man doch nicht essen. Im Salat sind keine Schnecken oder Ameisen, sondern Ringelblumen von leuchtend gelb bis tieforange und Borretsch in dunkelblau mit weiß Löwenmäulchen violett mit samtig gelber Zunge und orange oder rosa mit weiß Hornveilchen in gelb und lila und Heckenwicken in violett Kapuzinerkresseblüten und Knospen und die Blätter, Tausendschönchen und Kronenmargeriten und das alles untergemischt in Salat von Löwenzahnblättchen und Rucola.
Die Kinder erschrecken wegen der Zumutung all das Bunte essen zu sollen. Ältere wundern sich: Is nicht alles was blau ist giftig?
Aber der Versuch des Wildkräutersalats überrascht.
Würzige Geschmacksnoten mischen sich:
Von der Süße der Wicken, die an Zuckerschoten erinnern bis zur herben Bitterkeit des Borretsch und der knackigen Frische der Blätter der Kapuzinerkresse.
„Zu schön zum Essen!"
Beschwert sich eine Freundin
„Selber schön", sag ich.
Sie riecht und probiert und wir freuen uns am Duft und an den Farben und an der Vielfalt der Geschmäcker die sich auf der Zunge entfalten. Kann man Blumen essen? Hat Gott sie dazu gedacht? Nur etwas Olivenöl mit einem kleinen bisschen Essig, kein Gewürz und die Schönheit entfaltet sich auf der Zunge ein drittes Mal.
Blumen essen - eine Überraschung, selber sammeln ist am schönsten, auf Waldwiesen wild gewachsen, aber auch auf dem Balkon oder im Garten gedeiht diese Köstlichkeit.
Und inzwischen ist sie auch an manchem gut sortierten Marktstand zu finden und natürlich im Internet...
Schönheit essen
Die Verwunderung weicht dem Staunen und der Begeisterung. Verzaubert der Tisch, die Schüssel, der Teller, die Nase und dann der Gaumen...
Ob Gott sich das so ausgedacht hat?
Oder dürfen das nur Ziegen, Schnecken und Kühe?
Ich liebe Wildkräutersalat auch wenn er von meinem Stadtbalkon stammt...dazu frittierte Zucchiniblüten, Rosenbulgur und natürlich Holunderküchelchen!
Ich liebe die Schönheit und glaube dass Gott sie uns schenkt im Garten, im Wald, auf dem Balkon, auf dem Teller und im Gesicht derer die so Schönes essen...