Manuskripte

SWR3 Worte

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Annette Bassler

Von Annette Bassler, Mainz, Evangelische Kirche

Vertrauen

Sonntag, 05. September 2010     [Druckversion]

Frommsein ist nichts anderes als Vertrauen. Vertrauen hat der einfache gesunde, harmlose Mensch: Das Kind, der Wilde.
Unsereiner, der nicht einfach noch harmlos ist, muss das Vertrauen auf Umwegen finden. Vertrauen zu dir selbst ist der Beginn.
Nicht mit Abrechnungen, ... mit Kasteiung und Opfern wird der Glaube gewonnen. Alle diese Bemühungen wenden sich an Götter, welche außer uns wohnen.
Der Gott, an den wir glauben müssen, ist in uns innen. Wer zu sich selber Nein sagt, kann zu Gott nicht Ja sagen.

Herrmann Hesse
aus: Friedrich Schorlemmer, Was Protestantisch ist, Herder Verlag Freiburg 2008



Ambros Tremel

Von Ambros Tremel, Ludwigshafen, Katholische Kirche

„Versöhnungsgebet“

Samstag, 04. September 2010     [Druckversion]

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse, Vater vergib.

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist, Vater vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet, Vater vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und das Glück der anderen, Vater vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem anderen, gleich wie Gott euch vergeben hat in Christus.

Versöhnungsgebet aus der Kathedrale von Canterbury, die im II. Weltkrieg von Bomben getroffen worden war.

„Made by Arbeitssklaven"

Freitag, 03. September 2010     [Druckversion]

In dem Megastore gegenüber bekam ich Aspirin, Orangensaft, Strümpfe, neue Batterien für die Lampe, Arbeitshandschuhe mit Gummi an den Innenseiten und ein dunkelblaues Sweatshirt mit Kapuze - alles für insgesamt dreiundzwanzig Dollar. Mir schwante, dass diese Sachen Sklaven in China oder Burma hergestellt hatten. Das steht nie drauf: hergestellt von Arbeitssklaven, damit sie es billig kriegen, aber bei dreiundzwanzig Dollar für ein Sweatshirt, Arbeitshandschuhe und so fort sollte man eigentlich Bescheid wissen. Ich jedenfalls sollte bescheid wissen, aber ich will alles schnell, billig und einfach haben.

Privatdetektivin Vic Warshawski in „Blacklist"

„Ent-täuschung"

Donnerstag, 02. September 2010     [Druckversion]

Ich nehme meine Maske ab, voll Angst, was passiert. Jeder kann mein wahres Gesicht sehen. Alle können mir in die Augen sehen. Schwer ist es auszuhalten, so entblößt, so nackt, so ohne Schutz dazustehen. Mein Gegenüber kann mich so sehen wie ich wirklich bin: mit meinen Macken, meiner Wut, meiner Traurigkeit, aber auch mit meinen vielen liebenswerten Seiten. Ich brauche mich nicht mehr zu verstecken. Ich darf sein.

Ich nehme meine Maske ab - von Bärbel Zeimantz

 

„Gericht - Psalm 98"

Mittwoch, 01. September 2010     [Druckversion]

Beim Stichwort „Gericht" denken wir meist negativ an „verurteilen". Interessanterweise beschreiben die Psalmen das Gericht Gottes ganz anders:

„Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist."

„Da fängt Friede an"

Dienstag, 31. August 2010     [Druckversion]

Die Zeitungen rufen gute Nachrichten aus.

Der Unterhändler weigert sich, den Krieg zu erklären.

Nicht krümmt sich der Finger am Abzug des Gewehrs.

Die zornige Hand findet das Messer nicht.

Zu explodieren verlernen die Bomben.

Die Generale haben sich zum Golfspielen entschlossen.

Das verleumderische Wort bleibt hinter die Lippen gepresst.

Gespräche über den Frieden haben Aussicht auf Erfolg.

Die Grenzen werden geöffnet.

Man lässt den Gegner zu Wort kommen.

Man schließt Kompromisse.

Man lächelt über sich.

Man fängt an.

Rudolf Otto Wiemer

„Wir"

Montag, 30. August 2010     [Druckversion]

Wir sind berufen, Frieden und Versöhnung zu stiften und  der Welt eine Botschaft der Hoffnung zu geben. Wir sind berufen, uns für die Menschen in Not zu öffnen und unsere irdischen Güter großzügig zu teilen. Lasst uns nicht mehr vom „Ich" her denken, sondern vom „Wir". Darum beten wir immer Vater „unser" und bitten um „unser" tägliches Brot. Das ist der erste notwendige Schritt.

Papst Benedikt XVI.

„Stille"

Sonntag, 29. August 2010     [Druckversion]

 „Wir leben in einer  Gesellschaft, in der jeder Ort, jeder Moment zugeschüttet wird von Initiativen, von  Aktivität, von Lärm; Oft gibt es keine Zeit für das Hören und für das Gespräch. Liebe Schwestern und Brüder, wir dürfen keine Angst vor der Stille um uns und  in uns haben. Dann hören wir nicht nur die Stimme Gottes,  sondern auch die der Menschen um uns herum, unserer Nächsten."

Papst Benedikt XVI.