Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Mache Dich auf und werde licht. An den Satz muss ich öfters denken, jetzt in der Adventszeit. Er steht im Buch des Propheten Jesaja. Mache dich auf und werde licht. Ja, das möchte ich auch: Licht werden. So wie ein Wald, in dem jetzt im Winter das Unterholz gelichtet wird, damit die Bäume im Frühling wieder Platz zum Wachsen haben.

Jetzt im Advent spüre ich ganz deutlich: es sollte klarer werden in mir. Ich möchte aufräumen und Raum schaffen. Eine Lichtung schlagen. Damit mehr Platz ist für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und am besten fange ich da bei unserer Wohnung an: Da stapelt sich vor allem das Altpapier. In einer Ecke liegen Zeitungsartikel, die ich irgendwann noch einmal lesen wollte. In einer anderen Ecke liegen Informationsbroschüren und Programmhefte, an der Pinnwand hängen Elternbriefe aus der Schule. Eine Flut aufgestauter und nicht wahrgenommener Informationen. Dieses Durcheinander müsste ich mal auslichten, denke ich. Dann ginge es mir bestimmt viel besser.

Mache Dich auf – werde licht! Beim Ausmisten und Lichtungen schlagen wird mir klar: viel von dem, was ich vermeintlich hätte wissen sollen, habe ich nicht gebraucht. Ich werde mir auch nicht die Zeit nehmen, das alles jemals zu lesen. All das Papier nimmt nur Platz weg. Und die damit verbunden Ansprüche, versperren mir die Sicht.

Kaum habe ich sie entsorgt, lichtet sich auch mein Lebensgefühl.  Ohne Ballast ist es leichter.
Manchmal geht es Hand in Hand, das Aufräumen im Zimmer und das Aufräumen in der Seele. Natürlich kann man mit einem ausgedehnten Hausputz nicht alles aus dem Weg räumen, was das Leben verfinstert. Aber es ist ein Anfang.

Mache Dich auf und werde licht. Sagt der Prophet Jesaja. Und er fügt hinzu: denn dein Licht kommt…..Gut, wenn dann die Sicht frei ist und ich es auch sehen kann.

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„Mama, wozu braucht man eigentlich einen Heiligenschein?“ mein Sohn fragt so. Er öffnet gerade das 11. Türchen am Adventskalender. Auf dem Bild sieht man Josef neben der Krippe stehen. Ganz groß hat der Maler um Josefs Kopf einen goldenen Kreis gemalt.

„Ja, wozu braucht man den eigentlich? Vielleicht wollte der Maler darauf hinweisen: Dieser Josef hat ein gutes Leben geführt. Das war ein Besonderer. Auf den kommt es an in dem Bild.“ Mein Sohn findet das ungerecht „Und was ist mit dem Hirten da? Der hat keinen Heiligenschein. Ist der etwa nicht wichtig?“

In der Bibel wird nichts von Heiligenscheinen erzählt. Dort ist auch nicht die Rede von einzelnen Heiligen. Der Apostel Paulus meint: Heilig sind alle, die sich zu Jesus Christus bekennen - alle, die sich taufen lassen. Heilig sind alle, die zu Gott gehören. Da gibt es keine Rangordnung.

Und das finde ich auch gut so. Sicher gibt es Menschen, die ein besonders Leben geführt haben. Ihr Vorbild hat bis heute eine große Strahlkraft. So wie bei Josef: Er hat Jesus angenommen, obwohl er nicht sein Vater war. Trotzdem ist er bei Maria geblieben. Er hat Gott vertraut und deshalb bewundern ihn viele bis heute.

Aber es gibt auch viele Menschen, die im Verborgenen Gutes tun. Der Hirte auf dem Bild zum Beispiel. Er arbeitet sicher hart für sich und seine Familie. Und jetzt hat er sich auch noch auf den Weg zur Krippe gemacht, mitten in der Nacht. Auch er vertraut Gott. Auch er hätte einen Heiligenschein verdient. Da stimme ich meinem Sohn zu.

Ich glaube, vor Gott ist jeder Mensch heilig. Manche lassen dabei das, was in ihnen ist, auf besondere Weise strahlen. Sie werden zum Vorbild für andere. An ihnen kann man sich gut orientieren. Andere leuchten eher im Verborgenen. So wie der Hirte. Aber auch er gehört zu Gott und das macht ihn heilig. Und dann ist es gut, wenn wir ihnen das sagen. Oder auf ihrem Bild einen goldenen Kreis dazu malen.

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