
Von Dr. Madeleine Spendier, Katholische Kirche
Lesen, lesen, lesen!
Freitag, 03. September 2010
„Wenn ich lese, dann bin ich einfach weg" Mit diesem Satz hat mir eine Frau das beschrieben, was sie am meisten liebt: Bücher lesen. Sie gehört zu den 55.000 Nutzerinnen und Nutzern von katholischen öffentlichen Büchereien in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die regelmäßig Bücher oder andere Medien ausleihen. In den katholischen Büchereien arbeiten mehr als Tausend Menschen ehrenamtlich. Sie beraten, verleihen Bücher und führen Gespräche. Für mich, kann das Buch oder das konkrete Gespräch über ein Buch mit einem anderen Leser kein anderes Medium ersetzen. Auch wenn das Internet, ipod, Facebook, Twitter und Handy aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Aber das Buch ist etwas Anderes. Und wenn ich mich aufmache, in die nächste Bücherei dann ist das wie das Eintauchen in eine neue Welt: Da gibt es Stadtpläne, Hörbücher, Bewerbungstipps, Kochbücher, Bücher in verschiedenen Sprachen, Biografien und und und
Lesen macht neugierig, Lesen bildet. Bildung bringt mich voran. Erschreckend hingegen ist, dass es in Deutschland noch viel zu viele Analphabeten gibt, die weder schreiben noch lesen können. Es gibt Menschen, die schaffen es ein Leben lang, dies vor anderen Menschen zu verbergen. Wenn Eltern nicht lesen, lesen Kinder oft auch nicht. Wer Bücher nicht liebt, kann diese Liebe nicht an andere weiterschenken. Es heißt sogar, wer zu Hause viele Bücher hat - erhöht die Chance der Kinder später in Schule und Beruf erfolgreich zu sein. Es gibt eigentlich keine Ausrede mehr, keine Bücher mehr zu Hause zu haben, denn das Ausleihen der Bücher in Büchereien ist kostenlos.
Rezepte aus der Klosterküche
Donnerstag, 02. September 2010
„Pfefferminzblätter, Ringelblumenblüten, Kamillenblüten, Himbeerblätter, Scharfgarbe und etwas Zitronenmelisse. Zwei bis drei Teelöffel in eine Tasse siedendem Wasser zehn Minuten ziehen lassen; nach Wunsch mit Honig süßen."
Fertig ist der Genuss-Tee nach einem Rezept von Hildegard von Bingen. Die Klostergründerin und Benediktinerin aus dem 12. Jahrhundert wusste was den Menschen gut tut.
Ihre gesamte Ernährungslehre passt kaum in ein ganzes Kochbuch. Und sie gibt viele praktische Tipps für Gesundheit an Leib und Seele.
Die Benediktinerin und Äbtissin erkannte den Zusammenhang zwischen Ernährung und körperlicher wie seelischer Gesundheit. Für sie ist die Ernährung eine wichtige Brücke zwischen Mensch und Umwelt.
Lebensmittel sind laut Hildegard Mittel zum Leben. In ihnen verbergen sich Heilkräfte, die die Gesundheit des Menschen unterstützen können. Der Mensch ist aber nicht nur für seine körperliche Gesundheit verantwortlich, sondern auch für seine geistig-spirituelle Gesundheit. Sie meint es so: In der Weise, wie Nahrungsmittel den Körper gesund macht oder krank machen können, so bewirken gute oder schlechte Gedanken ebenfalls Veränderungen in der Seele, positiv oder negativ. „Der Mensch ist auch für seine Seele verantwortlich", sagt Hildegard von Bingen. Interessant ist, dass Hildegard von Bingen so eine Art von Horoskopen geschrieben hat. Und darin schreibt sie für den Monat September: „Der Mensch, der in diesem Monat geboren wurde geht von Natur aus jedem Streit aus dem Weg, ein eher ausgeglichener Typ, dessen besonderer Charakterzug die Geduld ist. Diese Tugend ist es auch, die immer wieder das Seelenleben dieses Menschen stabilisiert und ihm eine gewisse Richtung im Leben vorgibt." Geduld ist für Hildegard von Bingen eine wegweisende Kraft, die für die Seele wichtig ist. Für mich ist Geduld mehr als Warten können. Geduld hat mit Ausgeglichenheit und Zufriedenheit zu tun. Wer geduldig ist, lernt auch mit schwierigen Situationen umzugehen und auf sein Inneres zu hören. Vielleicht wächst daraus mehr Lebensfreude, mehr Freude an sich, an seinen Mitmenschen und an Gott, der für mich wie eine sprudelnde Quelle der Lebensfreude ist.
Werde Gärtner!
Mittwoch, 01. September 2010
Seit Anfang Juni hege und pflege ich einen Mini- Kräutergarten auf meinem Balkon. Dieser Kräutergarten ist mein Schatz geworden. Ich hätte nie gedacht, dass ich die Geduld für so etwas aufbringen könnte. Manchmal streiche ich abends, wenn ich todmüde nach Hause komme, noch einmal sanft über die einzelnen Blüten, Blätter, Kräuter und atme tief den Duft ein, den sie verströmen. Lavendel, frische Minze, Rosmarin, Salbei, Pfefferminz ...- Den Pflanzen beim Wachsen zuschauen, das tut mir gut. Manche Pflanzen brauchen meine gesamte Zuwendung, manche wollen einfach nur Wasser und manche ziehen einfach nur meine Blicke auf sich. Mein blühender Garten ist für mich ein kleiner Erfolg, auf den ich stolz bin. Kein Leistungsdruck am Balkon, die Pflanzen dürfen wachsen wie sie möchten. Und wenn sie nicht wachsen möchten, dann eben nicht. So ein Garten braucht Pflege und das jeden Tag. Mein Garten muss sich auf mich verlassen können. Inmitten meiner Pflanzen und Kräuter fühle ich mich als Teil der Schöpfung, der Verantwortung für seine Mitschöpfung hat. Hier werde ich langsamer, hier kann ich durchschnaufen. Diese Kräuter und Blumen sind so schön, es ist eine Freude, sie zu betrachten. Ich kann sie richtig wachsen sehen. Es gibt ein chinesisches Sprichwort das sagt: „Wenn du für immer glücklich werden willst, werde Gärtner". Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, da ist was Wahres dran. Seit ich meinen kleinen Garten habe, fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Der französische Philosoph Voltaire empfiehlt als Gegenrezept gegen eine chaotische, unübersichtliche Welt: „Man muss sich um einen Garten kümmern". Mein Balkongarten ist für mich zum Lehrmeister geworden: Hier lerne ich, was es heißt, etwas zu beginnen und etwas loszulassen, sich fallen zu lassen und sich gehalten zu wissen, sich zu mühen und zur Ruhe kommen - Erfahrungen, die sowohl meinen Alttag und überhaupt mein ganzes Leben prägen. Hier fühle ich mich getragen und aufgehoben, vor allem in der Hand des großen Gärtners - des Schöpfergottes.
Heiliger Körper
Dienstag, 31. August 2010
„Fit, sportlich, ewig jung und unwiderstehlich schön." Selbst gutgemeinte Slogans von Fitnessstudios können meinen inneren Widerwillen gegen sportliche Aktivitäten kaum übertönen. Und doch versuche ich seit einiger Zeit ein sportliches Mindestmaß einzuhalten: Jeden Tag eine halbe Stunde Sport. Egal in welcher Form. Und selbst wenn es nur ein kleiner Spaziergang um die Häuser ist oder eine kleine Meditationsübung - Sport im Schongang sozusagen - es tut gut, sich zu bewegen. Denn das hält auch geistig gesund. Irgendwo habe ich gelesen, dass körperliche Ausgeglichenheit auch für die Seele wichtig ist. Ich fühle mich einfach gelassener. Meinem Körper mute ich im Alltag oft zuviel an Anstrengung zu. Hildegard von Bingen, die als Benediktinerin im Mittelalter gelebt hat und ein Kloster gegründet hat, schrieb eine ganzheitliche Heilkunde. Sie betont, dass vor allem die richtige Lebenseinstellung den Menschen prägen kann. Also etwa Lebensfreude fördert die Gesundheit des Menschen. Deshalb sagt Hildegard von Bingen: „Der Mensch baue seinen Leib als ein wohnliches Haus, damit die Seele gerne darin wohnt." Welch schönes Bild. Ich selbst bin Baumeister, und kein Fitnesstrainer. Dieses Bild passt doch wunderbar zu dem Perspektivenwechsel, den auch die Bibel aufzeigt: Dort heißt es: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? ... Verherrlicht also Gott in eurem Leib." 1 Korinther 6, 19-20 Gott als Schöpfer, der dem Menschen das Leben schenkt und die Lebendigkeit an Leib und Seele. Mein Körper ist nicht nur Geschenk, sondern auch lebendiges Gebet. Ich nehme mir vor, auf mich und meine Gesundheit, auf Körper und Seele besser acht zu geben. Mein Körper und meine Seele sind mir anvertraut worden, dass ich darauf aufpasse. Wenn mir das bewusst geworden ist, dann ist es eigentlich egal, ob ich ins Fitnessstudio gehe oder auf einen Pilgerweg.
Wer bist du, Jesus?
Montag, 30. August 2010
Wer bist du, Jesus? Mit dieser Frage macht eine Theologin auf sich aufmerksam, die 85 Jahre alt ist und in Tübingen lebt. Martha Sonntag hat während des Krieges als eine der ersten Frauen Katholische Theologie studiert. Und dann hat sie die kirchlich getragene Psychologische Beratungsstelle in Tübingen mit aufgebaut und geleitet.
Der Glauben hat ihr immer Kraft gegeben. „Ich gehe noch heute jeden Sonntag in die heilige Messe", hat sie mir erzählt. In einer Zeit, in der viele Menschen aus der Kirche austreten, ist das schon erstaunlich. Für Martha Sonntag ist Jesus von Nazareth immer präsent. Jesus von Nazareth - kenne ich durch die Tradition, die Bibel, durch die Liturgie, die Verkündigung, aber wie stelle ich ihn mir persönlich vor? Wer bist du Jesus - für mich? Dieser Frage stellt sich auch Martha Sonntag und hat ein Buch darüber geschrieben, in denen sie verschiedene Geschichten aus der Bibel aufgreift. Eine geht mir besonders nach. In einer Geschichte sagt Jesus zu seinen Freunden, als sie ihm auf dem stürmischen Meer nicht vertrauen und Angst haben: „Wie kleinmütig seid ihr! Immer noch habt ihr keinen Glauben!" (Markus 4, 40) Die Begegnung mit Jesus wird für seine Freunde zur Probe aufs Exempel, als Vertrauensfrage in der Not, in der Krise. Das Schiff droht unterzugehen. In dieser Not ruft er ihnen zu: Wo ist euer Glaube? Ist das auch so bei mir? Ist es nicht so, dass ich oft genug zweifle und nicht glaube? Was mir da zu fehlen scheint, ist der persönliche Bezug zu Jesus. Wo sehe ich ihn in meinem Leben ganz konkret? Wie ich mir Jesus persönlich vorstelle, liegt für mich vor allem in den Händen, die etwas tun: „Aber Hände bewegen sich nur, wenn ein Herz sie steuert", so schreibt Martha Sonntag. „Herr, ich will dich wachrütteln in mir. Wende dich mir zu. Gib mir ein Zeichen deiner Kraft, damit mein Glaube nicht untergeht in der Nacht des Sturms, in der Verzweiflung", betet Martha Sonntag in ihrem Buch. Und sie muss es wissen.



